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Bericht aus der Praxis

Tanja Leitner, Lackingenieurin bei BASF Coatings in Münster, Absolventin der FHT- Esslingen und im Vorstand des VILF ( Verband der Ingenieure des Lack- und Farbenfaches ), beschreibt in einem Interview mit der Dekanin der FHT Esslingen, Prof. Dr. Renate Lobnig, ihre Erfahrungen aus Studium und Praxis.

Frau Leitner, was sagen Sie zum Standort Esslingen?

Leitner: Es gefällt mir in Esslingen ausgesprochen gut. Das Gebäude ist sehr ansprechend und offen gestaltet, die Labors sind hervorragend ausgestattet und bieten genügend Platz. Ideale Voraussetzungen für ein Studium!

Würden Sie diesen Studiengang noch einmal wählen?

Leitner: Auf jeden Fall. Die breite Ausbildung, Vielfältigkeit der Fächer und hervorragenden Berufschancen sind eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben.

Wie war Ihr bisheriger beruflicher Werdegang?
Tanja Leitner

Leitner: Nachdem ich mein Studium 1995 erfolgreich beendet hatte, führte mich meine erste Anstellung zu Hartmann Druckfarben in Niedernhausen. Dort war ich für die Entwicklung von lösemittelhaltigen Flexo- und Tiefdruckfarben im Verpackungsdruck zuständig. Nach drei Jahren wechselte ich zu DAW in Ober-Ramstadt und arbeitete im Entwicklungslabor Wasserlacke für das Malerhandwerk und die Lackierindustrie. Seit Oktober 2000 bin ich bei der BASF Coatings AG in Münster und verantwortlich für strahlenhärtbare Foliendeckstriche.

Ist diese Stelle Ihr Traumjob?

Leitner: Bei der BASF bin ich in der Entwicklung und Anwendungstechnik tätig. Aufgabe ist es, nach einem Kundenanforderungsprofil ein darauf optimal abgestimmtes Lacksystem zu erarbeiten. Das beinhaltet oftmals auch eine Produktion im Technikumsmaßstab, was Mengen bis zu 500 kg sein können, um das Produkt vor Ort beim Kunden zu testen. Ingesamt gesehen bin ich mit meinem Aufgabengebiet sehr zufrieden, da ich die Lacksysteme von der Entwicklung bis zur Produkteinführung beim Kunden betreue. Die weitere Produktverantwortung und der technische Service machen einen engen Kontakt und regelmäßige Kundenbesuche nötig.

Waren Sie durch das Studium gut auf die Anforderungen im Beruf vorbereitet?

Leitner: Von dem breiten Basiswissen, das mir im Studium vermittelt wurde, konnte ich sehr gut profitieren. Es fiel mir auch leicht, mich in die verschiedene Aufgabengebiete schnell einzuarbeiten. Bis jetzt war ich ausschließlich in der Entwicklung tätig. Das Studium an der FHT Esslingen bietet jedoch ein weit breiteres Spektrum, und ich könnte mir vorstellen, einmal den Labortisch zu verlassen und in den kaufmännischen Bereich zu wechseln.

Wie steht es mit Fort- und Weiterbildung?

Leitner: Vor meinem Wechsel zur BASF Coatings studierte ich berufsbegleitend an der FH in Darmstadt „Internationale Betriebswirtschaft“, wobei mich die DAW großzügig unterstützte. Leider mußte ich dieses Studium durch meinen Umzug nach Münster nach drei Semestern abbrechen. Bei der BASF werden mir eine große Anzahl an Fortbildungsmaßnahmen geboten. Zur Zeit nehme ich an einem Italienisch- und Englischkurs teil, da unser Kundenstamm international ausgerichtet ist.

Wie viele Frauen arbeiten bei der BASF Coatings?

Leitner: Insgesamt, also auch inklusive der Auszubildenden, beträgt das Verhältnis Männer/Frauen bei der BASF Coatings aktuell 1.977 zu 608.

Wie sind die Einstiegsgehälter?

Leitner: Es ist natürlich von der Position, Ort und dem Unternehmen abhängig. Aktuell führte der VILF eine Gehaltsumfrage bei seinen Mitgliedern durch. Die Einstiegsgehälter lagen für Ingenieure bei ca. 38000 € /Jahr. Häufig orientieren sich die Unternehmen an ihrem landesspezifischen gültigen Tarifvertrag der IG BCE. Die Einstiegsgruppe liegt häufig bei E 10.

Neben Ihrer Tätigkeit bei der BASF sind Sie noch im Vorstand des VILF tätig. Bleibt da noch Zeit für andere Dinge?

Leitner: Es ist wichtig, daß auch Frauen in die Verbandsarbeit eingebunden sind. Immerhin sind 17% Prozent unserer Mitglieder weiblich. Nur wenn wir Arbeiten in leitenden Funktionen übernehmen, können wir auch mitgestalten. In meiner Freizeit bin ich begeisterte Standardtänzerin und engagiere mich auch dort im Vorstand des Tanzvereines – ein gutes Zeitmanagement macht vieles möglich.

Würden Sie jungen, interessierten Frauen ein naturwissenschaftliches Studium empfehlen?

Leitner: Selbstverständlich. Frauen haben heutzutage keine Nachteile mehr und es eröffnet sich, je nach Neigung, eine große Bandbreite an Berufsmöglichkeiten wie z. B. in der Entwicklung, Vertrieb, Marketing, Anwendungstechnik oder auch in der Produktion.

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