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Spezialisten für unsere IndustrieWo liegen die Gründe für das starke Engagement des Verbandes in der Nachwuchswerbung für die Lackindustrie?Becker: Der Lackverband engagiert sich für die Nachwuchswerbung, weil wir der Auffassung sind, dass die Zukunft unserer Branche nur durch geeigneten wissenschaftlich-technisch ausgebildeten Nachwuchs sichergestellt werden kann. Die Lackindustrie in Deutschland lebt davon, dass sie ihren Kunden nicht nur hierzulande, sondern in ganz Europa maßgeschneiderte, qualitativ hochwertige und technisch innovative Lacksysteme anbieten kann. Um solche Produkte zu entwickeln, braucht man Ingenieure und Techniker, die hochmotiviert an solche Aufgaben herangehen. Wir wollen die Zukunft unserer Branche sichern, und das bedeutet, dass wir rechtzeitig junge Leute für unsere Industrie begeistern wollen. Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie konkret, Ihre Zielgruppen auf die Berufe Lacklaborant/in und Lackingenieur/in aufmerksam zu machen?![]() Becker: Da wir junge Leute ansprechen wollen, nutzen wir ganz intensiv die Vorzüge des Internets. Für Schulabgänger sowohl von Realschulen als auch Gymnasien bieten wir auf zwei unterschiedlichen Homepages wichtige Informationen zum Berufsbild des Lacklaboranten bzw. des Lackingenieurs. Es gibt Links zu den Hochschulen, damit man sich dort direkt über die Studienbedingungen informieren kann. Wir haben im Internet Berichte aus der Praxis veröffentlicht, damit sich Interessenten sozusagen aus erster Hand über die Tätigkeit informieren können. Daneben gibt es Bewerbungstipps und ganz wichtig bei den Lacklaboranten jährlich eine Stellenbörse, in der wir alle angebotenen Ausbildungsplätze unserer Mitgliedsunternehmen für Lacklaboranten, Chemikanten und Produktionsfachkraft Chemie im Internet ausschreiben. Außerdem haben wir natürlich eine Broschüre erstellt, die in erster Linie über die Agenturen für Arbeit und die Berufsinformationszentren sowie die Industrie- und Handelskammern verbreitet wird. In den einschlägigen Zeitschriften, die von jungen Leuten gelesen werden, erscheinen regelmäßig Beiträge über den Beruf des Lacklaboranten oder in Zukunft auch des Lackingenieurs. Außerdem haben wir auch Publikumszeitschriften und die Berufsbeilagen von Tageszeitungen mit entsprechenden Informationen versorgt. Schlussendlich haben wir für unsere Mitgliedsbetriebe ein Handbuch entwickelt, damit wir insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen Hilfestellung geben können, vor Ort für das eigene Unternehmen Werbung zu machen. Dieses Handbuch enthält Anregungen für lokale Aktionen in Schulen, bei Ausbildungsmessen, für Tage der offenen Tür oder ähnliches mit professionellen Präsentationsunterlagen, um das Unternehmen und insbesondere die Berufe des Lacklaboranten und des Lackingenieurs attraktiv darstellen zu können. Wie ist es zu erklären, dass in der deutschen Lackindustrie ein Mangel an Lackingenieuren besteht?Becker: In den vergangenen Jahren haben zu wenige junge Leute sich für ein naturwissenschaftlich-technisches Studium entschieden. Andere Berufsrichtungen wurden stärker favorisiert. Und wenn schon in der Schule Chemie und Technik nicht zu den Favoriten eines Schülers oder einer Schülerin zählen, wird auch kaum ein naturwissenschaftliches Studium gewählt. Anfang der 90er Jahre wurden teilweise in einem Jahrgang nur 10 oder 15 Lackingenieure diplomiert, das ist einfach zu wenig. Warum sind gerade Lackingenieure für die Unternehmen der Lackindustrie so wichtig?Becker: Die Lackingenieure mit ihrer spezifisch an den Bedingungen der Oberflächentechnik, Lackapplikation und Lackformulierung ausgerichteten Ausbildung sind die Spezialisten unserer Industrie, wenn es um Forschung und Entwicklung, Anwendungstechnik und Qualitätssicherung geht. Lackingenieure sind die technischen Führungskräfte besonders bei den mittelständischen Lackfabriken. Da es heutzutage in erster Linie darum geht, ständig neue Entwicklungen zur Marktreife zu bringen, ist also das kreative Potenzial der Ingenieure ganz besonders entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und das wirtschaftliche Gedeihen eines Unternehmens. Wie viele junge Menschen entscheiden sich zur Zeit pro Jahr für das Lackingenieur-Studium an einer der Hochschulen? Und wie viele offene Stellen in der Lackindustrie stehen den Absolventen zur Verfügung?Becker: In den letzten 3 bis 4 Jahren ist die Anzahl der Studienanfänger wieder gestiegen. In Esslingen studieren über 70 Anfänger pro Jahr und in Krefeld 45. Offene Stellen zu finden, ist in der Lackindustrie für Lackingenieure kein Problem. Auch bei Kunden und Lackrohstoff-Herstellern werden Lackingenieure beschäftigt. In der Regel findet jeder Absolvent sofort eine Stelle. Seit vielen Jahren können sich die guten Absolventen aus Esslingen oder Krefeld sogar ihren Arbeitsplatz aussuchen. Wer den Begriff deutsche Lackindustrie hört, denkt zunächst wahrscheinlich an wenige Großunternehmen. Wie ist die Branche denn strukturiert?Becker: Die deutsche Lackindustrie ist überwiegend mittelständisch strukturiert. Es gibt in Deutschland etwa 250 Lackfabriken mit insgesamt etwas über 20.000 Mitarbeitern. Die typische Lackfabrik ist also eher klein, hat 75 Mitarbeiter, einen Jahresumsatz von 20 Mio. € und ist zumeist auf ein Produktsegment, z. B. Baufarben, Holzlacke oder Industrielacke spezialisiert. Natürlich gibt es auch einige international tätige Großkonzerne, die in Deutschland große Fabriken unterhalten. Worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben und die Verantwortung des Lackverbandes?Becker: Der Verband der deutschen Lackindustrie ist ein Industrieverband. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört es deshalb, die gemeinsamen Interessen aller Lackhersteller in Deutschland zu vertreten und die Öffentlichkeit über die Industrie und ihre Produkte zu informieren. Daneben hat der Lackverband eine besondere Verantwortung, wenn es darum geht, seine Mitglieder bei der Umsetzung bestimmter Ziele, die sich die Industrie selbst gesetzt hat, zu unterstützen. Im Wesentlichen geht es hier um die weitere Verbesserung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sowie der Arbeitssicherheit. Der Lackverband hat bereits 1995 Leitlinien ausgearbeitet, die seit einigen Jahren Stück für Stück in Form von Zielprogrammen umgesetzt werden. Der Verband kann hier eine ganz wesentliche Aufgabe übernehmen, indem er die Unternehmen mit Unterlagen und Hilfestellungen bei der Umsetzung begleitet. | ||||
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