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Breites Spektrum an Anforderungen

Die Studiengangleiterin des Masters „Angewandte Oberflächen- und Materialwissenschaften“, Frau Professor Dr. Renate Lobnig, gibt einen weitreichenden Überblick über die Anforderungen an Studierende im Studiengang Chemieingenieurwesen / Farbe-Lack-Umwelt und Einblicke in die Zusammenarbeit mit der Lackindustrie sowie eine Einschätzung der Zukunftsperspektiven für die Absolventen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Lackindustrie?
Prof. Dr. Renate Lobnig

Der Fachbereich arbeitet eng mit den Unternehmen der Lackindustrie zusammen: Die Lehrinhalte werden regelmäßig durch Diskussionen mit Industrievertretern oder Fragebogen-Aktionen mit den Bedürfnissen der Lackindustrie abgeglichen, um die Studierenden möglichst optimal auf die Anforderungen im späteren Beruf vorzubereiten. Dazu tragen auch die beiden Praxissemester (3. und 6. Semester) bei, die die Studierenden in der Industrie verbringen, um die praktische Arbeit schon frühzeitig kennen zu lernen. Die meisten Studierenden führen auch ihre Diplomarbeit in der Industrie durch und lernen damit schon mögliche Arbeitgeber kennen bzw. können sich bei den Unternehmen als potenzielle Arbeitnehmer bekannt machen.

Vertreter der Lackindustrie halten regelmäßig Vorträge an der Fachhochschule Esslingen und informieren dabei über die neuesten Entwicklungen der Branche. Auch werden regelmäßig Exkursionen zu den Unternehmen durchgeführt, damit die Studierenden eine Übersicht über möglichst verschiedene Bereiche erhalten.

Industrievertreter der Branchen engagieren sich im Industriebeirat des Fachbereichs und in einem gemeinsamen Arbeitskreis mit dem Verband der Chemischen Industrie in Baden-Württemberg zur Weiterentwicklung des Studiengangs. Die Firmen unterstützen den Fachbereich außerdem durch Spenden, gemeinsame Info-Veranstaltungen wie z.B. den Industrietag, Informationsveranstaltungen für Schüler, Lehrer oder Berufsberater sowie durch Sponsering von Preisen für besondere Studienleistungen oder besonders engagierte Studierende und finanzielle Hilfe für Studierende zur Teilnahme an Fachtagungen.

Wie profitieren die Studenten der FHTE von dieser Zusammenarbeit?

Die Studierenden erhalten einen guten Überblick über die Branche und können schon frühzeitig herausfinden, welcher berufliche Weg sie besonders interessiert, z.B. bei Lackherstellern, in der Lackrohstoffindustrie, in der Lack verarbeitenden Industrie, bei Druckfarbenherstellern, in der Kleb- und Dichtstoffindustrie, im Bauten- und Denkmalschutz, in Designstudios oder Ingenieurbüros, Forschungsinstituten oder im öffentlichen Dienst. Auch können Sie schon verschiedene Tätigkeiten ausprobieren und entscheiden, ob sie eher in Forschung und Entwicklung oder im technischen Marketing bzw. Produktmanagement arbeiten möchten und sich im Hauptstudium dann entsprechend spezialisieren.

Der Kontakt mit der Industrie zeigt den Studierenden, warum sie bestimmte theoretische Inhalte lernen sollen und erhöht damit die Motivation im Studium. Außerdem lernt man am besten durch praktische Erfahrung bzw. „learning by doing“. Nach dem Studium sind die Absolventen direkt einsetzbar und damit für die Firmen besonders interessant.

Wie sehen die beruflichen Chancen von Absolventen Ihres Fachbereich aus?

Die Berufschancen sind aufgrund der Spezialisierung deutlich besser als die von allgemein ausgebildeten Chemikern. Nach Schätzung von BASF Coatings in Münster stehen für jeden Absolventen 4-5 Stellen in der Lackbranche zur Verfügung. Daher finden die Absolventen auch in Zeiten schlechter Wirtschaftslage noch Stellen. Die Einstiegsgehälter liegen bei 32.000-42.000 Euro, die durchschnittlichen Gehälter bei 50.000-65.000 Euro.

Was erwarten die Unternehmen vor allem von den Bewerbern?

Die Unternehmen wünschen sich solide chemische und naturwissenschaftliche Grundlagen sowie gute theoretische und praktische Kenntnisse der Lack- und Oberflächentechnik. Für die Arbeit in Forschung und Entwicklung sollten gute labortechnische Fähigkeiten vorhanden sein, für die Arbeit mit Kunden oder im Management sind die Kommunikationsfähigkeit sowie Kenntnisse von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen sehr wichtig. Für alle Absolventen sind Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit und Bereitschaft zu lebenslangem Lernen wichtig. Durch die zunehmende Globalisierung werden auch die Kenntnis von Sprachen und andern Kulturen immer bedeutender.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihren Fachbereich in der Zukunft?

Eine unserer besonderen Schwierigkeiten ist der geringe Bekanntheitsgrad des Studiengangs bei Schülern. Daher arbeiten wir gemeinsam mit den Unternehmen der Branche daran, dieses interessante und vielseitige Studium bekannter zu machen.

Welche Eigenschaften sind im Rahmen des Studiums besonders gefragt?

Die Studierenden sollten Spaß an naturwissenschaftlich-technischen Inhalten haben und gerne experimentieren. Da das Studium interdisziplinär angelegt ist, sind auch an Gestaltung/Design und Betriebswirtschaft/Management interessierte Studierende sehr geeignet. Die Arbeit im Labor, in Projekten und in der Industrie erfordert sowohl die Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten als auch zur Zusammenarbeit.

Wie zeigt sich die Praxisorientierung des Studiums konkret?

Die Praxisorientierung zeigt sich zusätzlich zu den schon oben genannten Punkten daran, dass die Studierenden nicht nur losgelöste chemisch-technische Zusammenhänge erlernen, sondern schon frühzeitig Anwendungen in der Industrie mit einbeziehen, auch schon im Grundstudium. Viele Praktikums-Versuche entsprechen typischen Untersuchungen in der Lackindustrie. Auch industrieübliche Techniken zum Informationsgewinn wie Patent- und Literaturrecherchen sowie betriebswirtschaftliche Inhalte sind fester Bestandteil des Studiums.

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