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Eine Lackingenieurin in AmerikaHerausforderung DoktorarbeitWas hat zu der Entscheidung geführt, das Studium zur Chemieingenieurin Farbe-Lack-Umwelt aufzunehmen?Ich bin da eher durch Zufall reingerutscht, ich hatte in der Schule Chemie LK und wollte auch „später“ etwas mit Chemie machen. Das Uni-Studium erschien mir aber damals zu theorielastig und der Studiengang Farbe-Lack-Umwelt in Esslingen klang sehr interessant und irgendwie „anders“. Hatten Sie schon zu Beginn Ihres Studiums eine konkrete Vorstellung von dem, was Sie erwartet?![]() Ich hatte vorher noch nie eingehender mit Lacken zu tun, ich hatte also keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Das Ganze war eine recht kurzfristige Entscheidung und ich dachte ich versuch’s einfach mal; mit der Option, es ja jederzeit abbrechen zu können (woran ich aber dann im Laufe des Studiums nicht mehr gedacht habe). Wie beurteilen Sie rückblickend Ihren Studienweg?Ich denke, ich war von Anfang an recht zielgerichtet und darauf bedacht, schnell fertig zu werden. Ich habe mir aber auch genügend Flexibilität gelassen, z.B. was die Wahlpflichtfächer und das Thema der Diplomarbeit betrifft. Ich habe mich da nicht von vornherein festgelegt. Wichtig war es mir auch, mich im Fachbereich(srat) zu engagieren und öfters mal das Gespräch mit dem einen oder anderen Professor zu suchen, um Lösungen für diverse semesterinterne Probleme zu besprechen. Was hat Sie während Ihres Studiums besonders begeistert, was hat Ihnen nicht gefallen?Gefallen haben mir die breit angelegten Fächerinhalte und die meisten der Laborveranstaltungen. Außerdem habe ich die beiden Praxissemester (wovon ich eines in Frankreich verbracht habe) in sehr guter Erinnerung. Auch die überschaubare Größe des Fachbereiches und die guten Beziehungen zu den Mitarbeitern des Fachbereiches CI waren ein Plus. Über welches Thema schreiben Sie Ihre Doktorarbeit?Ich beschäftige mich mit elektrochemischen Korrosionsschutzprüfmethoden. Meine Aufgabe ist es, ein high-throughput Verfahren zu entwickeln, das es erlaubt, mehr Beschichtungsproben in weniger Zeit auf ihre Korrosionsschutzwirkung zu testen. Dazu gehört der Entwurf eines Konzeptes, die Konstruktion eines geeigneten elektrochemischen Setups, die Entwicklung eines automatisierten Prüfprotokolls und eine statistische Datenauswertung. Ich habe ein recht interdisziplinäres Thema, aber ich habe glücklicherweise Leute zur Hand, die sich z.B. mit data mining oder robotics beschäftigen, da muss ich also nicht alleine durch. Warum schreiben Sie Ihre Doktorarbeit in den USA? Hatten Sie schon vorher Kontakte dorthin?![]() Während meiner Diplomarbeit in Esslingen habe ich überlegt, nach dem Studium noch einen Auslandsaufenthalt dranzuhängen um mein Englisch aufzubessern. Ich wusste, dass Dr. Lobnig, die Betreuerin meiner Diplomarbeit, einige Jahre in den USA verbracht hat und ich dachte, dass sie vielleicht noch Kontakte dorthin hätte. Zufälligerweise war sie gerade dabei, mit Prof. Bierwagen, meinem jetzigen Betreuer, eine Kooperation auszuhandeln. Prof. Bierwagen brauchte noch dringend jemanden für seine Korrosionsgruppe und da ich mich in meiner Diplomarbeit schon mit Korrosion beschäftigt hatte, hat das gut zusammengepasst. Ich habe mich dann offiziell für das PhD Programm beworben und bin dann hingeflogen, um das mal „auszuprobieren“. Worin bestehen Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede in der Arbeits- und Herangehensweise an den verschiedenen Universitäten?Ich kann diese Frage natürlich nicht generell beantworten, aber wenn ich die FHTE mit der North Dakota State University vergleiche, fällt mir Folgendes auf: Die Vorlesungen hier sind für Studenten wesentlich aufwändiger, man muss nicht nur eine Abschlussklausur schreiben wie in Esslingen, sondern es gibt auch noch Zwischenprüfungen, Hausaufgaben, term papers, Literaturreviews etc. zu erledigen. Deshalb habe ich auch hier nur maximal drei Kurse pro Semester gewählt (in Esslingen waren es teilweise zehn oder elf). Dazu kommt dann noch der normale Arbeitsalltag als „research assistant“. Es wird auch viel mehr von einem erwartet, dass diese Sachen selbständig erledigt werden und man die „supplemental reading materials“ nachliest. In Bezug auf die Forschung ist es sehr beispielhaft, wie die Studenten (vor allem auch die „Undergraduates“) in die Projekte eingebunden sind. Ich war richtig geschockt, als ich die Publikationslisten meiner Mitstudenten gesehen habe. Wie kommen Sie mit dem Leben in den USA zurecht? Möchten Sie dort arbeiten?![]() Bevor ich hierher kam, war ich noch nie in den USA gewesen und hatte auch kein ausgeprägtes Interesse für dieses Land, ich war immer mehr in Richtung Frankreich orientiert. Ich hatte auch keine Zeit mich vorzubereiten, da ich mich recht spät beworben hatte. Ich bin da so ziemlich ins Blaue gefahren. Deshalb hat es eine Weile gedauert, bis ich mit allem zurecht kam und der ganze Papierkram erledigt war. Insgesamt gefällt es mir soweit, ich habe mich mittlerweile ganz gut eingerichtet, mit Wohnung, Katze und Auto. Es ist jedoch nicht so einfach, hier mit Amerikanern Freundschaften zu schließen. Die Leute, mit denen ich Kontakt habe, sind fast alle Europäer oder Kanadier. Wir haben sogar einen deutschen „Stammtisch“, der sich einmal im Monat zum Abendessen trifft. Gut gefällt mir hier, dass man rund um die Uhr einkaufen kann. Auf dem Campus ist auch immer was los, hier gibt es ein Fitnesscenter, Kino, Konzerthalle, sogar eine eigene Polizei. Etwas schwierig ist es hier an gutes Essen zu kommen. Brot in „deutscher Qualtität“ kann man nur in speziellen Geschäften zu hohen Preisen kaufen, beim Käse gibt es eigentlich nur zwei oder drei verschiedene Sorten, Quark (die Grundzutat für meinen Lieblingskuchen, den Käsekuchen) gibt es gar nicht, und guter Kaffee oder Schokolade ist auch selten. Ich besorge mir das dann eben, wenn ich nach Deutschland fliege. Gewöhnungsbedürftig ist auch das Wetter. In Fargo fängt der Winter im Oktober an und geht oft bis April/Mai. Es liegt hier auch massenweise Schnee bei Temperaturen oft um die -30°C. Vor kurzem bin ich nicht aus meiner Wohnungstür gekommen, weil sich über Nacht ein Meter Schnee davor aufgebaut hatte. Ein Vorteil dieser Kälte ist, dass die Stadt an verschiedenen Plätzen eine Wiese flutet und damit ein Eislaufoval schafft, das jeder umsonst benutzen kann. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in den USA zu arbeiten. Wenn ich ein gutes Jobangebot bekomme, würde ich das nicht ausschlagen. Verbinden sich mit einem Doktor-Titel automatisch bessere Chancen bei der Auswahl des Arbeitsplatzes?Das hängt sicher von der Situation ab. Ich würde gerne in der Forschung bleiben, dort ist ein Doktortitel von Vorteil. Andererseits kann der Doktor auch ein Hindernis sein, gerade im Hinblick auf die jetzige Arbeitsmarktlage. Da kann es gut sein, dass man einem Unternehmen einfach zu teuer ist. Wenn Sie fünf oder zehn Jahre in die Zukunft denken: Wohin soll Ihre berufliche Karriere Sie führen?Ich würde gerne im universitären Bereich bleiben. Dies wäre dann aber nur in den USA möglich, da hier nicht zwischen Uni- und FH-Diplom differenziert wird. Im Unterschied zu Deutschland muss man hier auch während der Promotion noch Kurse belegen und diverse Prüfungen absolvieren, d.h. alle sind dann nachher formal auf dem gleichen Stand; egal ob man davor jetzt einen Bachelor-Abschluss, einen deutschen FH-Abschluss oder Uni-Abschluss hatte - der PhD ist gleichermaßen anerkannt. Genaues habe ich aber noch nicht geplant, wahrscheinlich wird sich wieder spontan irgend etwas Interessantes ergeben. | ||||
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