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Dem (Lack)Ingenieur ist nichts zu schwer:Claus Friebus erledigt Ausbildung und Studium gleichzeitig
Der 20jährige ist nicht nur in seinem Fußballverein für kurze Reaktionszeiten bekannt: Als an seinem Gymnasium kein Leistungskurs Chemie zu Stande kam, ist er kurzerhand zu einer anderen Schule gewechselt, wo er sich seinen Neigungen entsprechend ein umfassendes Chemiewissen aneignen konnte. Als ihm ein Freund, der in der Produktion bei ICI arbeitet, sagte, dass das Unternehmen Azubis für das Lacklabor suche, musste er nicht lange überlegen, bewarb sich und hat nun einen Vertrag für eine kooperative Ausbildung zum Lackingenieur in der Tasche. Dass Friebus nach dem Abitur nicht sofort mit einem reinen Chemiestudium begann, hat seine Gründe. „Ich wollte nach dem Abi erst Mal Abstand gewinnen und Geld verdienen. Besonders wichtig war es mir allerdings, durch eine Ausbildung eine gute Grundlage für mein späteres Berufsleben zu schaffen. Dass ich jetzt mit der kooperativen Ingenieursausbildung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, ist für mich natürlich um so besser“, freut sich Claus Friebus.
Mehr Stellen schaffenDie Umstände waren in der Tat sehr günstig, denn ICI ist zur Zeit noch der einzige Lackhersteller, der diese neue Kombination aus Studium und Ausbildung anbietet. „Zwar haben mehrere Lackhersteller über den Verband der deutschen Lackindustrie (VdL) mit der Hochschule Niederrhein dieses Modell entwickelt“, erläutert Karl Wieden, Personalreferent bei ICI Packaging Coatings und Mitglied des Arbeitskreises Fachtechnische Berufsbildung im VdL. „Wir gehen aber davon aus, dass auch andere Unternehmen der Lackindustrie in Zukunft Plätze für eine kooperative Ausbildung schaffen. Wir bei ICI wollten eigentlich zwei „Kooperative“ ausbilden, konnten die zweite Stelle aber nicht besetzen, weil wir keinen geeigneten Bewerber fanden.“ Ein Dilemma, unter dem auch andere Unternehmen der Lackindustrie leiden. Die Situation ist auch für die Hochschule Niederrhein eine Herausforderung. „Wir können diese Situation, dass wir den Studienplan auf die Bedürfnisse eines einzigen Studenten abstimmen, natürlich nicht langfristig durchhalten“, erklärt Professor Eickmeyer, Dekan des Fachbereichs Chemie an der Hochschule Niederrhein. „Das wird langfristig nur funktionieren, wenn die Unternehmen in Zukunft mehr Plätze für die kooperative Lackingenieursausbildung bereit stellen.“ Einzelunterricht an der UniDie Situation für Friebus kann man als luxuriös bezeichnen. Denn dadurch, dass er zur Zeit der Einzige ist, der die kooperative Ausbildung zum Lackingenieur an der Hochschule Niederrhein absolviert, erhält er praktisch Einzelunterricht. Die Hochschule hat ihren Lehrplan an diese besondere Situation angepasst und umgestellt. Friebus arbeitet drei Tage in der Woche im Unternehmen und geht zwei Tage an die Hochschule. Er nimmt dann sowohl an den regulären Vorlesungen teil, besucht aber auch spezielle Veranstaltungen, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Eine Situation, von der andere Studenten nur träumen können. Kämpfer mit Durchhaltevermögen„Wir planen auch die Entwicklung unseres Personals langfristig“, sagt Karl Wieden. „Wir wissen jetzt schon, dass wir in vier bis sechs Jahren Nachfolger für unsere Lackingenieure brauchen, von denen einige dann in den wohlverdienten Ruhestand gehen werden. Deshalb versuchen wir schon heute, Nachwuchs für diese Stellen zu gewinnen. Aus Erfahrung wissen wir, dass diejenigen, die eine kooperative Ausbildung beginnen, schon von Hause aus einen besonderen Ehrgeiz mitbringen. Sie haben Spaß an Naturwissenschaften und wollen sich durchbeißen“, fügt Wieden an. „Natürlich sind die Kooperativen auch einer größeren Belastung ausgesetzt. Aber wer sich den Anforderungen nicht gewachsen fühlt, wird diese Ausbildung sicher innerhalb des ersten Jahres abbrechen.“ Claus Friebus wird die ersten fünf Semester seiner Ausbildung zum Lackingenieur 3 Tage im Unternehmen und 2 Tage in der Hochschule verbringen. Die letzten drei Semester bis zum Erreichen des Bachelors wird er dann gänzlich dem Studium und einem erfolgreichen Abschluss widmen können, bevor er dann als frischgebackener Lackingenieur auf den für ihn vorgesehenen Arbeitsplatz in das Unternehmen zurückkehrt. Friebus schwankt ein bisschen zwischen Stolz und Furcht. „Ich weiß, dass die nächsten drei Jahre recht stressig werden, aber ich bin auch zuversichtlich, dass ich mich da durchkämpfe.“ „Aber Claus muss nicht befürchten, dass er seine Freundin nicht mehr treffen kann, weil er so viel zu tun hat“, wirft Wieden ein. Dagegen steht die Zukunftsvision, die Friebus mit der Wahl dieses Ausbildungsweges Wirklichkeit werden lassen will: ein sicherer Arbeitsplatz und eine verantwortungsvolle Position im Bereich Forschung & Entwicklung. | ||||
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